Der Piemont, der seinen Namen seiner Position "am Fuß der Berge" verdankt, ist eine der größten Regionen Italiens mit einer Flächenausdehnung von mehr als 25.000 qkm und einer Bevölkerungsdichte von 4,5 Millionen Einwohnern. Die Region nimmt fast gänzlich den nordwestlichen Teil Italiens ein und liegt unterhalb der Alpen , die das Land von Frankreich und der Schweiz trennen, während im Süden die ersten Ausläufer des Apennin die Grenze zu dem nahen Ligurien bilden. Der Lago Maggiore und das Tessin hingegen bilden die Grenze zur Lombardei.
Durch die Nähe zu den internationalen Flughäfen Mailand Malpensa, Turin Caselle (Turin ist auch die Hauptstadt der Region) und Genua (einer der bedeutendsten Häfen des Mittelmeers) ist diese Region besonders leicht und bequem erreichbar.
Aufgrund seiner besonderen geographischen Lage war der Piemont stets ein Verbindungsglied zwischen Nordeuropa und dem übrigen Italien, und somit bereits ein Vorläufer der heutigen Europäischen Union.
Der aktive kulturelle und künstlerische Austausch zwischen der Poebene, Frankreich und Spanien hinterließ besonders im Mittelalter bedeutende Zeugnisse: der Dom von Ivrea, die Basilika S. Andrea in Vercelli, die romanischen Kirchen San Michele in Oleggio, San Remigio und Monfortano über dem Lago Maggiore, die Basilika San Giulio am Ortasee und die Abtei von Vezzolano in der Nähe von Asti, die einer Legende zufolge im Jahr 773 von Karl dem Großen gegründet wurde.
Auf regionaler Ebene präsentieren die Reisewege der Kunst die essentiellen Linien der Romanik und die prunkvollen Dekorationen des Barock, bis hin zur Gotik und zur zeitgenössischen Kunst, ohne natürlich dabei die königlichen Residenzen zu vernachlässigen, jene Anwesen, die ab dem 16. Jahrhundert von den Savoyern erbaut wurden und 1997 als "Kulturgüter" von der Unesco anerkannt wurden, wie kürzlich auch die sogenannten Wallfahrtsberge "Sacri Monti". Erwähnenswert ist unter anderem auch die Wallfahrtskirche von Oropa in der Nähe von Biella. Unschätzbare Kunstwerke, die von der hohen Mole Antonelliana (wo das Filmmuseum eingerichtet ist) überragt werden, kann man im Zentrum von Turin bei einem Spaziergang unter den Bogengängen der Via Po und der Piazza Castello entdecken. Die Reisewege gehen dann noch weiter zu den mittelalterlichen Orten, den Schlössern und Burgen und den Kultstätten, wie die Basilika San Gaudenzio in Novara, mit ihrer 121 m hohen Kuppel, mit der Statue des Heilands, die ebenfalls, wie die Mole in Turin, von dem Architekten Antonelli entworfen wurde.
Unbedingt besuchen sollte man in Turin noch den Palazzo Reale, den Palazzo Madama und den Palazzo Carignano, Sitz des ersten italienischen Parlaments und entworfen von dem bekannten Architekten Guarini.
Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehören außerdem das Valentino-Schloss, die Villa der Königin, das Jagdschloss aus dem 18. Jahrhundert in Stupinigi und der Palast von Venaria Reale, die alle einst mit den europäischen Höfen wetteiferten, sowie die Schlösser von Aglié, im Canavese, in Racconigi, Govone und Rivoli, heute Sitz des Museums der zeitgenössischen Künste. Und dann Cuneo mit seinen berühmten und eleganten Bogengängen, die zahlreiche architektonische Geheimnisse und Reichtümer hüten; Mondovì mit dem alten Stadtteil Piazza oberhalb des Ortes und seiner Vergangenheit als Hauptstadt der ausgedehnten Diözese, sowie als Stadt der Studien; das aristokratische Saluzzo, das in seinen Straßen, Kirchen und Palazzi die Eleganz einer Stadt birgt, die sich auch der Kultur jenseits der Alpen zuwendet, sowie Savigliano, Beispiel der blühenden Kunst des 17. Jahrhunderts mit Meisterwerken von europäischer Geltung in den vornehmen Adelshäusern.
Von Lingotto, dem multifunktionellen Zentrum auf dem ehemaligen Gelände des Fiat-Werkes, bis hin zur barocken Basilika von Superga, dem Teatro Regio und den Murazzi, Treffpunkt des Turiner Nachtlebens, ist alles bereit für die Olympischen Winterspiele 2006, die in Turin, der Stadt mit der fortschrittlichen Technologie, den historischen Cafés, den Shopping- und Unterhaltungsangeboten stattfinden werden.
Die Austragungsorte der olympischen Spiele 2006 liegen zwischen den Tälern der Susa, des Sangone und in der Umgebung von Pinerolo in der Provinz Turin, die zu den faszinierendsten und bezauberndsten Stätten des Piemont gehören. Sestriere ist seit 1930 die Königin des piemontesischen Wintersports: mit den Orten San Sicario, Sauze d'Oulx, Claviere und Cesana werden hier über 400 km Pisten der Via Lattea angeboten. Weitere Wettkampfstätten werden außerdem Bardonecchia und Pragelato sein. In diesen Tälern findet man auch heute noch historische und architektonische Zeugnisse: von den Bauten aus der Römerzeit, über die Adelsresidenzen bis hin zu den mittelalterlichen Orten, den Grenzfestungen, die an blutige Schlachten erinnern, bis hin zu den Abteien, wobei all diese Elemente in einem unvergleichbaren natürlichen Ambiente eingebunden sind.
Die herrlichen verschneiten Berge in der Umgebung von Cuneo bieten wunderschöne und einzigartige Landschaften mit Hunderten von Kilometern an Pisten, sowohl für Abfahrten als auch für Langlauf, die in der Lage sind, allen Ansprüchen und allen Zielgruppen zu entsprechen.
Ebenfalls nicht zu vergessen ist das Valsesia, ein Paradies für Sportler, Kultur- und Naturfreunde ganz in der Nähe der großen Städte: von den Pisten des Monterosa bis zu den herrlichen Kunstwerken von Varallo, Hauptstadt der religiösen Architektur; von den schönen Orten längs der Sermenza und des Mastallone zu den Strömungen der Sesia, die sich wunderbar für Rafting, Kanu- und Kajakfahrten anbieten; von den alten Holzbearbeitungsstätten bis zu den Spitzen- und Stickereihandarbeiten; von der Kunst des falschen Marmors bis zur Tradition der "Scapin", jener warmen Stoffpantoffeln.
Ein Berggebiet von internationaler Geltung, ein erstaunliches Kunstgut, ein exzellentes Kunsthandwerk und Genüsse, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Und dann die Seen: das Blau des Wassers und das Grün der Hügel erstreckt sich über das ganze Piemont. Beliebte Ziele für Touristen, die von jener Landschaft begeistert sein werden, die von Künstlern und Literaten gemalt, erlebt und beschrieben wird. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich, vor allem an den Ufern des Lago Maggiore, ein Phänomen, das alle großen italienischen Seen kennzeichnete: die Sommerfrische der Aristokraten und Unternehmer, die hier Ruhe und atemberaubende Landschaften suchten. In der Zeit des Jugendstils beherbergten große Hotels und Anwesen, die von schönen Parkanlagen umgeben waren, berühmte Persönlichkeiten wie Schauspieler, königliche Familien, Schriftsteller (zum Beispiel Hemingway, der seinen Roman "Addio alle Armi" am Lago Maggiore handeln ließ und dem man nicht selten auf der Promenade am Seeufer in Stresa begegnen konnte). Aber die piemontesischen Seen bieten auch eine Lebensqualität, die bereits verloren schien, ebenso wie Unterhaltungsangebote, Sportaktivitäten (Motorboot, Kanu, Wasserski, Paragliding, Golf, Reiten, Tennis) und Musikfestivals von internationalem Rang.
Park- und Grünanlagen, sowie Naturschutzgebiete ergänzen auf wunderbare Weise das unglaubliche und unerschöpfliche Touristenangebot der Region am Fuß der Berge. Die Touristen brauchen nur losmarschieren: auf den Wanderwegen, an den Flussufern entlang, oder in den Parkanlagen der noblen Residenzen.
Wenige Kilometer von Turin entfernt erstrecken sich zwei Naturschutzgebiete, die einige Besonderheiten aufweisen: der Meisino-Park und der La Mandria-Park, mit Trekkingpfaden, Birdwatchingstationen und der Möglichkeit, eventuell Hirschen oder anderen wilden Tieren zu begegnen. Es erwarten Sie hier herrliche Tage in einer unversehrten Natur, ideal für Kajakfahrten und Paragliding. Besondere Erwähnung verdient der 1922 eingerichtete Park des Gran Paradiso im Gebiet des Canavese, d.h. bei Ivrea, wobei es sich um den ersten Park in Italien handelt, der sich über hohe Gipfel erstreckt, die bis 4061 m Höhe erreichen (Gran Paradiso) mit einer Fülle an Lärchenwäldern, Bergwiesen und Tieren: Es gibt hier über 3000 Steinböcke! Im Jahr 1856 wurde dieses Gebiet zum Königlichen Jagdrevier des Königs Emanuele II. erklärt.
In der Provinz des Verbano-Cusio-Ossola gibt es den Naturpark der Alpen Veglia-Devero, während der Nationalpark des Val Grande unweit des Lago Maggiore das größte naturbelassene Gebiet Europas darstellt. Sämtliche piemontesische Naturparks nehmen fast 8% der gesamten regionalen Fläche ein. Dabei handelt es sich um Zahlen und um die Geschichte eines Naturschutzes, der keineswegs erst heute begonnen wurde.
In Verbania kann man den Park der Villa Taranto besichtigen, mit Gartenanlagen im englischen Stil, die von einem schottischen Adligen dem italienischen Staat geschenkt wurden, während wir in Stresa den Zoo der Villa Pallavicino besuchen können. Schließlich schonen wir uns noch einige Minuten für einen unvergesslichen Blick auf den Lago Maggiore vom Botanischen Garten Alpinia aus, oberhalb von Stresa, wobei dieses Panorama als eines der bezauberndsten der Welt bezeichnet wird.
Dann gibt es hier auch noch die großen Namen der Mode, wie zum Beispiel diejenigen des "made in Biella", die in der ganzen Welt bekannt sind: Ermenegildo Zegna, Fila sport, Cerruti 1881, Loro Piana, Piacenza und sehr viele andere.
Nach unserem Ausflug im Zeichen der Natur, Geschichte und Kunst, ergeben wir uns nun den Genüssen der guten Küche.... Die piemontesische Önogastronomie ist einfach und bescheiden, wobei sie aber einige hervorragende Spezialitäten birgt: an erster Stelle der Trüffel, und besonders der weiße Trüffel der Langhe. Alba beherbergt weltweit den bedeutendsten Markt der weißen Trüffel. Es folgen die "Agnolotti" oder "Tajarin" aus frischem Pastateig, die unvergesslichen Risotti, das "Bollito misto" mit den verschiedenen Saucen, die Kohlsuppen, "Tofeja" und die "Zuppa di ajucche". Ein Ehrenplatz gebührt der typischen "Bagna cauda", jener Spezialität aus Knoblauch, gesalzenen und gehackten Sardellen, die in Öl erhitzt werden und eine Sauce ergeben, in die man Karotten, Sellerie, Paprika und andere Gemüsesorten einstippt. Was den Käse betrifft, so hat man hier eine unendlich große Auswahl: Bra, Raschera, Toma, Robiole, Castelmagno und Gorgonzola, dessen Heimat Novara ist.
Der Piemont ist aber vor allem ein Reich der Schokolade. 1559 brachte der Herzog Emanuele Filiberto von Savoyen die ersten Kakaobohnen hierher und schon nach kurzer Zeit wurde heiße Schokolade zu dem "Modegetränk" der feinen Gesellschaft im Voralpengebiet.
Im 19. Jahrhundert, als der Kakao seinen würdigen Platz im sogenannten "bicerin" fand (eine Mischung aus Schokolade, Espresso und Sahne), das Lieblingsgetränk des Grafen Camillo Benso von Cavour, wurden in Turin unzählige Konditoreien eröffnet, die Schokoladenprodukte herstellten wie "Gianduiotti" und Pralinen, die aus aromatisierter Nussschokolade und Marzipan zubereitet werden.
Zu den Süßspeisen zählt auch der "Bonet", jener köstliche Schokoladenpudding mit zerbröckelten Amarettikeksen; die "Bigné" und "Chantilly" mit Creme-, Zabaione- und Sahnefüllungen; die "Margheritine" aus Stresa, der "Torrone" aus Alba, die "Torta novecento" aus Ivrea, sowie die Amaretti aus Acqui und Mombaruzzo, das Gebäck aus Novara, sowie die "Canestrelli" aus Biella. Auch die Grissini sind eine typische Turiner Spezialität, die von dem Bäcker Antonio Brunero 1679 erfunden wurden.
Der Piemont ist seit jeher eine noble Heimat der Reben. Man sagt, dass hier in den Orten am Fuß der Alpen bereits in der Römerzeit Wein bereitet wurde. Infolge der Intuitionen des Grafen Cavour und der Marchesa Giulia di Barolo entstanden im 19. Jahrhundert die großen Weine der Langhe und des Astigiano: Barolo, Barbaresco, Barbera, Dolcetto, Nebbiolo …. heute bietet der Piemont auch noch andere Weine wie Boca, Moscato, Grignolino, Freisa, Malvasia, Bonarda, Gattinara, Sizzano, Ghemme, Fara, Gavi, Cortese, Erbaluce di Caluso, Carema, Bramaterra, Lessona, Coste del Sesia und Canavese.
Der Moscato d'Asti und der Asti Spumante sind zwei ausgezeichnete Dessertweine, die bereits im 13. Jahrhundert produziert wurden, wobei heute fast 80% der Produktion in die ganze Welt exportiert wird.
Die Regionalönotheken befinden sich in prestigevollen Räumlichkeiten: im Schloss von Grinzane Cavour, einst Wohnsitz des berühmten Grafen Camillo Benso; sowie in Barolo im Schloss der Falletti. Erwähnenswert sind schließlich auch noch die Gemeindekellereien und die Botteghe del Vino in Canale, Dogliani und Santo Stefano Belbo. All diese Lokale sind qualifizierte Anhaltspunkte, um bei der Erkundung der Winzerprodukte auch die Kultur und Geschichte des Piemont zu entdecken.
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